Shiatsu Bindestrich Esoterischer Blödsinn Fragezeichen

so steht es wortwörtlich in meinem kleinen schwarzen Notizblock (der aus Papier), in dem ich mir immer wieder Gedankenblitze notiere, die ich auf meinem Blog (der aus Elektronik) mit meinen Klientinnen und Klienten teilen möchte. Hinter der etwas provokant formulierten Frage steckt ein umfassendes Thema, mit dem ich in meiner Praxis immer wieder konfrontiert bin: Wie wirkt eigentlich Shiatsu – oder ist es nur eine „Glaubensfrage“? Erst kürzlich erzählte mir eine Klientin mit enttäuschtem Unterton, dass sie ihre positiven Erfahrungen bei PIMAKI Shiatsu gerne mit Kolleginnen am Tennisplatz teilen wollte, woraufhin sie mit dem nächsten Schlagabtausch die desinteressierte und abwertende Reaktion „Hmm…tut mir leid, ich glaube nicht an so etwas“ zurückgewuchtet bekam. Im Folgenden also einige meiner Gedanken für alle, die sich auch schon einmal diese Frage gestellt haben – aber keine Sorge, dieser Beitrag soll keine belehrende Einheit für „überzeugte Ungläubige“ werden 😉

Begibt man sich auf Recherche nach kritischen Stimmen im Internet, bekommt man schnell eine überbordende Fülle an Angebot. Parawissenschaften, Esoterik, Komplementärmedizin oder pseudowissenschaftlicher Unfug sind nur einige der Begriffe, über die man da stolpert. Zumeist werden diese Begriffe zusammenfassend unterschiedlichsten Konzepten übergestülpt – von Ayurveda über Homöopathie bis hin zum Grander-Wasser werden „alternativmedizinische“ Ansätze oder Phänomene in einen bodenlos scheinenden Topf geworfen. Auch verschiedene Typen von Shiatsu finden sich natürlich in dem ein oder anderen Topf wieder, weil Shiatsu eines mit all diesen Dingen gemein hat – den Mangel an medizinischen „Beweisen“ im westlichen Sinne.

Warum der Trend zur „Selbstheilung“?

Dem wissenschaftlichen Anspruch der westlichen Medizin haben wir zweifelsfrei viel zu verdanken – sieht man sich nur einmal die steigende Lebenserwartung und die großteils umfassende medizinische Versorgung im Westen an. Dennoch scheint es einen Nährboden für den aktuellen Boom der „Selbstheilung“ versprechenden Ansätze – welcher Art auch immer – zu geben. Menschen zeigen sich im westlichen Sinne unverhältnismäßig empfänglich für gesundheitliche Ansätze, die nicht nur rational, mit Zahlen und Daten messbar, zu begreifen sind. Das stößt auf starke Kritik seitens vieler Ärzte, die davor warnen, dem Irrationalen zu verfallen. Die Frage nach den Hintergründen bleibt in der Kritik oft vernachlässigt: Warum begeben sich so viele Menschen auf die Suche nach alternativen Lösungen für ihre gesundheitlichen Probleme, obwohl die meisten von uns doch den Luxus genießen, von der Krankenversicherung abgedeckte, umfassende medizinische Services nutzen zu können?

nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

mizaru, kikazaru, iwazaru
nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

Shiatsu ist „BeHANDeln“

Ein in Hietzing ordinierender Internist sagt in einem Video über die positive Wirkung von Shiatsu, dass vielen Patientinnen und Patienten beim Arztbesuch das Gefühl fehle, „beHANDelt“ zu werden. Medizin sei heutzutage hoch technologisiert und das bedeute oftmals, dass der menschliche Kontakt zwischen Arzt und Patienten dabei in den Hintergrund gerät. Wer kennt ihn nicht, den Untersuchungs-Spießrutenlauf von einem Spezialisten zum nächsten, die einen nach allen Regeln der medizinischen Kunst durchleuchten und vermessen, um dann nach einiger Zeit mit einem Bündel an Befunden wieder an den Start zurückzukehren. Dort übersetzt uns meist ein Allgemeinmediziner das „Fachchinesisch“ und schickt uns rundum mit Medikamenten ausgestattet wieder nach Hause. Natürlich nicht immer, aber offenbar oft genug ohne nachhaltige Besserung des Leidens, aufgrund dessen man diesen Weg beschritten hat. Viele Patienten setzen ihre Suche also fort, die Suche nach einer Lösung für ihr Wehwehchen und die Suche nach dem Gefühl, sich „angenommen“ und „behandelt“ zu fühlen.

Physische Impulse in der Shiatsu-Behandlung

Die sanfte Berührung, die Einladung, sich auf sich und sein Körpergefühl einzulassen, die Begleitung über einen längeren Zeitraum hinweg, all das gibt Menschen das Gefühl, wahrgenommen und behandelt zu werden. Maßgeblich dabei ist der auf den Körper ausgeübte Druck, der schon im Wort Shiatsu steckt, das auf Japanisch „Daumendruck“ bedeutet. Diese physischen Impulse auf gezielte Punkte entlang der über den ganzen Körper verlaufenden Meridiane rufen körperliche Reaktionen hervor. Wem die „unsichtbaren“ Meridiane, auf denen Akupressur basiert, schon zu irrational sind, kann dennoch bei mir auf der Matte diese physischen Reize spüren und sich nachher gelockert und angenehm gedehnt fühlen, was dann genauso „esoterisch“ wäre wie Gymnastik oder Massage.

Zuletzt ist es auch der ganzheitliche Anspruch der Therapie, den Klienten beim Shiatsu schätzen, wie ich es auch in diesem Blog immer wieder zu zeigen versuche. Die Behandlung ist nicht zu Ende, wenn man durch die weiße Flügeltür meine Praxis verlässt. Shiatsu ist eine Einladung zum Reflektieren über deinen eigenen Lebensstil, deinen Körper, was du tun kannst, um ihm besser zuzuhören, was auch immer er dir zu sagen hat. Das können ganz „simple“ Bedürfnisse sein, in Bezug auf Ernährung oder auf den individuell zumutbaren Stresspegel, den wir häufig unachtsam überschreiten, weil sich Gesundheit im westlichen Alltag oft hinten anstellen muss.

Ich denke, dass diese Aspekte der „BeHANDlung“ maßgeblich dazu beitragen, dass zufriedene, glückliche Gesichter aus meinen Shiatsu-Behandlungen gehen. Shiatsu ist eine Therapieform, die ihre Wurzeln in der jahrtausendealten fernöstlichen Medizin und der Akupunktur hat, derer sich auch immer mehr westliche Ärzte bedienen. Der Vergleich mit „esoterischen“ Phänomenen ist also in vielen Fällen wohl unzureichend reflektiert. Vielleicht unterschätzen wir aber auch, wie wichtig insbesondere für uns Bewohnerinnen und Bewohner der westlichen Welt die Erfüllung von Basisbedürfnissen wie menschlicher Kontakt, Berührung oder Zuhören ist.

Wie wäre es mit diesem Fazit – Letztendlich sind und bleiben wir alle menschliche Wesen, und keine „esoterischen“.

 

Wer zum Thema noch weiterlesen will:

derstandard.at/1385172145571/Parawissenschaften-Sackgassen-haben-etwas-Kuscheliges

http://www.reiter.priv.at/aduploads/albumseite327102012.pdf